Telefonsex – Oft Abzocke mit System – Teil 3

Täglich rufen unzählige Männer bei Telefonsexnummer an, um sich körperliche Erleichterung beim Telefonsex zu verschaffen. Was so unkompliziert klingt, ist nicht selten ein gigantisches Abzockgeschäft, mit dem sich vermutlich zig Milliarden Euro umsetzen lassen. Obwohl man inzwischen längst weiß, dass die Frauen am anderen Ende der Leitung vermutlich bezahlte Profis sind, die während einem heißen Gespräch bügeln oder sich die Nägel lackieren, werden Sie hier im dritten Teil des Interviews mit einer Insiderin erfahren und kaum glauben wollen, was wirklich hinter verschlossenen Türen passiert, um Ihnen bei dieser Abzocke das Geld aus der Tasche zu ziehen. Meine Informantin war selbst mehr wie 20 Jahre in der Branche; erst als Callerin bei diversen Flirtlines, später als Schulungsleiterin für Telefonsexlines. Als der Geschäftszweig in den 1990er Jahren in Deutschland boomte, setzte man zunächst auf private Frauen. Während die Männer pro Minute blechen, gewährte man privaten Frauen kostenlosen Zugang in Flirtlines und Telefonsexlines. Mit ihnen ließ sich allerdings nicht genug Umsatz machen, weshalb bezahlte Telefonistinnen eingestellt, später auch geschult wurden. Die so genannten Callerinnen wurden systematisch darauf getrimmt, Männer beim Telefonsex lange an der Strippe zu halten. Wie, das lesen Sie jetzt im dritten Teil des exklusiven Interviews.

Wie reagierte man nach dem Einbruch des Telefonsexmarktes?

„Kunden werden gemolken!“

Nachdem die Gewinne der Telefonsex Plattformen deutlich einbrachen, musste eine Lösung gefunden werden. Einige Agenturen gaben Infoblätter an ihre Telefonistinnen heraus, die erklärten, wie man „Kunden melken“ kann. Die Abzocke beim Telefonsex wurde hier perfektioniert. Dieser Begriff „Kunden melken“ wurde oft verwandt, wenn es zum Beispiel darum ging, Stammanrufer aufzubauen. Stammanrufer von Telefonsexlines und Flirtlines werden bewusst manipuliert und in eine emotionale Abhängigkeit gebracht, die diese Abzocke sehr lukrativ für die Anbieter machen. Es gibt neben den normalen Schulungen eigens Stammkunden-Schulungen. Bei Flirtlines und auch bei Telefonsexlines zielte man jetzt darauf ab, nicht mehr den Kunden auf die gewünschte Weise zu befriedigen, sondern mit zahlreichen Hinhaltetechniken noch länger in der Telefonleitung zu halten und möglichst jeden Kunden als „Stammi“ aufzubauen. In internen Dokumenten einiger Firmen steht ganz klar die Weisung drin, einzelne Kunden so lange auszunehmen, bis die Telefongesellschaft die Leitung sperrt.

Gibt es Anweisungen wie man Stammkunden aufbaut?

Anweisungen ist die richtige Bezeichnung. Natürlich möchte und muss jede Callerin gute Haltezeiten aufweisen. Viele Agenturen bezahlen Gespräche erst nach einem gewissen Minimum an Gesprächsdauer. Erst bei Telefonsex Telefonaten von mehr als 5 oder 10 Minuten Gesprächslänge lohnt sich die Bezahlung. Das klingt nicht viel, aber es ist schwer, den Schnitt einer solchen Haltezeit zu erreichen, weil jede noch so gute Telefonistin viele Aufleger hat, die das Gespräch innerhalb von 1 bis 3 Sekunden beenden. Die drücken den Schnitt der Haltezeit derart nach unten, dass man einen 5 oder 10 Minuten Schnitt auf den Telefonsexlines kaum schaffen kann. Auch dies ist ein Teil der Abzocke, weil man bewusst den lediglich Aktivminuten auszahlt. Die Telefondamen sind gezwungen, die Abzockermethoden mitzumachen.

Stammkunden sind deshalb für die Frauen unglaublich wichtig, damit sie überhaupt etwas verdienen. Ein guter Stammkunde kann am Tag locker 8 bis 9 Stunden oder mehr mit ein- und derselben Frau telefonieren. Die Telefonkosten pro Tag auf den Telefonsexlines belaufen sich folglich auf mehrere Hundert oder Tausend Euro. Ein funktionierendes Gewissen darf man als Callerin nicht haben. Die Männer werden gezielt in eine emotionale Abhängigkeit gebracht, die ähnlich wie eine Sucht funktioniert. Denn nur mit Telefonsex wäre das große Geschäft nicht möglich. Als Telefonsexerin oder als Flirtprofi versteht man sich darin, die perfekte Frau zu sein. Man ist das Wunschbild des Stammkunden. In jedem Gespräch erfährt man mehr von ihm und kann das für sich nutzen.

Welche Methoden sind das?

„Den Telefonistinnen werden Haltetricks beigebacht!“

Generell ist es inzwischen auf allen Telefonsex Portalen und Lines verboten, als Telefonistin die Privatnummer herauszugeben bzw. die von Kunden anzunehmen. Dadurch soll verhindert werden, dass ein Mann abgeworben werden kann. Viele Callerinnen bauen sich eigene Flirtlines bzw. Telefonsexlines auf, um nicht selbst in dieser Abzocke Teil zu bleiben. Im Rahmen der Schulung von Stammkundenaufbau werden Anweisungen erteilt und Tipps gegeben, wie man Anrufer hinhält. Callerinnen sollten auf Fragen nach privaten Telefonaten mit Ausreden abwimmeln. Für jede Situation gibt es passende Antworten. Beispiele:

Bei den ersten Fragen nach Gesprächen außerhalb der teuren Line:

  • Ich möchte dich erst mal näher kennenlernen.
  • Ich will erstmal vertrauen aufbauen.
  • Ich treffe mich später gerne mit dir, aber erst will ich mehr über dich wissen.
  • Ich traue mich nicht, dir meine Telefonnummer zu geben. Beim letzten Mal habe ich so schlechte Erfahrungen gemacht.

Diese Ausreden funktionieren nur eine gewisse Zeit. Irgendwann wird der Stammkunde ungehalten und droht, abzuspringen. Für den Fall gibt es weitere Methoden der Hinhaltetaktik. Beispiele:

  • Ich kann dich nicht anrufen. Mein Telefonanschluss ist gesperrt worden.
  • Du kannst mich nicht anrufen, weil mein Telefon so laut klingelt.
  • Ich liege im Krankenhaus, habe kein Guthaben auf der Karte.

Wenn auch diese Antworten nicht mehr ausreichen, gibt es einen sehr profanen Trick, mit dem man Männer kurz vorm Abspringen nochmals ködern kann.

„Telefonistinnen bekommen Codes für die Handy-Mailbox der Kunden!“

Einige der Telefonsex Firmen stellen ihren Telefonistinnen ein Handy mit Geheimnummer zur Verfügung und verteilen verhaltensweisende Gebrauchsanleitungen. Die Telefonnummer darf an den Kunden weitergegeben werden. Das Handy ist natürlich immer aus, stumm oder das Akku ist leer. Der Kunde kann so „seine Frau“ nicht erreichen, doch sie ruft zurück.

Für den Rückanruf bekommen alle Damen eine Liste mit Codes. Ganz egal, ob das Handy des Mannes an oder aus ist, kommt man beim Vorwählen der Codes immer auf der Mailbox an und kann da eine Nachricht hinterlassen. Die immer so ähnlich lauten:

  • Schade, dass ich dich nicht erreiche. Dann gehe ich jetzt mal auf die Line.
  • Ich würde mich so gerne mit dir unterhalten. Du fehlst mir. Heute Abend bin ich auf der Line erreichbar.
  • Immer ist dein Handy aus, wenn ich anrufe. Du willst gar nicht mit mir sprechen.

Dadurch, dass der Stammkunde dieser Telefonsexlines zuvor in ein Abhängigkeitsverhältnis gebracht wurde, funktioniert diese Masche, wenn die Herzensdame dies mit einem vorwurfsvollen, traurig klingenden Unterton auf die Mailbox spricht. Damit dies gelingt, werden gesondert Schulungen für die Telefonistinnen angeboten. Ein sehr hoher Prozentsatz ruft danach wieder und wieder über die Flirtline an,  wo die Frau natürlich weiter am schlechten Gewissen des Mannes arbeitet und wieder eine gute Begründung hat, warum man doch lieber über die teure Telefonhotline weiter telefonieren sollte. Dieses System der Abhocke bei Sex- und Flirtlines funktioniert bestens und eine erfahrene Callerin kann auf diese Weise einen Stammkunden über Monate und sogar Jahre hinhalten.

Gibt es noch mehr Tricks um Anrufer in der Leitung zu halten?

Außenstehende denken, es ist ganz einfach, wenn ein notgeiler Mann anruft und nur noch zum Erfolg kommen will. Ja, es ist ganz einfach, diesen in ein oder zwei Minuten „fertig zu machen„. Doch dann legt er auf und ruft so schnell nicht mehr an. So lässt sich auf einer Flirtline und auch nicht beim Telefonsex Geld verdienen.

„Das Ziel jeden Gespräches ist eine Stunde Haltezeit!“

Selbstverständlich kann nicht jeder Anrufer von Telefonsexlines als Stammi aufgebaut werden. Ziel jeden Gesprächs ist es allerdings, es so lange irgend möglich zu halten. Das ist eigentlich ein Kapitel für sich, weil es sehr viele Gelegenheiten gibt, wie man Telefonsex Telefonate künstlich in die Länge ziehen kann. Seitens der Plattformen wie Telefonsex- oder Flirtlines gibt es in den Schulungen immer reichlich Tipps, wie Gespräche ausgedehnt werden können.

Die Verbindungszeiten, also die Zeit zwischen Hängen in der Warteschleife bis zum Verbinden mit einer Telefonistin für den heißen Telefonsex, werden künstlich in die Länge gezogen. Während die Moderatoren sich auf die Suche nach „der richtigen heißen Lady für dich“ machen, wird am Kaffee genippt und in das Butterbrot gebissen oder eine geraucht. So bezahlt der Kunde zwar den gleichen Tarif, aber es muss vom Gewinn keine Callerin bezahlt werden. Danach gibt es dann wahllos irgendeine der Telefondamen an die Strippe, die vor der Gesprächsübergabe kurz gebrieft wurde, wie man den Kunden möglichst lange in der Schleife von Telefonsexlines oder Flirtlines halten kann.

Dies ist nur ein kleiner Auszug dessen, wie man auf Telefonsex- und Flirtlines die Abzocke äußerst lukrativ gestaltet. Der Kunde wird nach allen Regeln der Kunst „gemolken“ und hat als ahnungsloser Anrufer kaum eine Chance, zu erkennen, wo er eine echte Dienstleistung erhält oder gnadenlos in die Falle der Abzocke gerät.

1 Antwort
  1. Johnny
    Johnny sagte:

    Moin,

    es gibt natürlich sehr gute Agenturen – nur muss man wissen, dass diese für Ihre Serviceangebote auch einen Anteil des Verdienstes der Damen dafür einkalkulieren.

    Möchte man mit Telefonsex selbstständig Geld verdienen (ohne Agentur), so geht dies mit folgendem Anbieter u.a. hervorragend: xxx bereits seit 1997 am Markt! Hier können für Telefonsex von 30,00 Euro bis 33,60 Euro netto die Stunde verdient werden und dies stornofrei (laut Anbieter)!

    Natürlich ist dies ein gewerblicher Anbieter – wie es noch einige mehr im internet gibt – alles andere wäre auch illegal! Achtung: Viele Damen arbeiten über sog. IM Messanger und versteuern diese Tätigkeit nicht – dies ist der falsche Weg!

    Ich kenne einige Webmaster / Affiliates als auch Telefonistinnen / Callerinnen die dort tätig sind und ich höre nur positives Feedback!

    Hat jemand mit diesem Anbieter schon Erfahrungen gesammelt und möchte einmal darüber berichten? – Kennt ihr noch weitere Anbieter / Agenturen?

    Ich wünsche allen eine gute Zeit! 🙂

    Antworten

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